Verheerende Waldbrände haben im August mehr als 350.000 Hektar ökologisch wertvolle spanische Waldgebiete zerstört. Betroffen sind vor allem die Autonomieregionen Extremadura, Galicien, Kastilien-León und Asturien. Aber auch in Andalusien, Kastilien-La Mancha, Madrid oder Katalonien wüteten die Flammen. Noch immer sind nicht alle Feuer gelöscht.
Bei seinem ersten offiziellen Auftritt – erst zehn Tage nach dem Beginn der Feuersbrunst – hatte Regierungschef Pedro Sánchez verkündet, Schuld an dieser Katastrophe sei der «Klimanotstand». Doch bei vielen dieser Waldbrände handelte es sich nach Angaben der Umwelteinheit der Guardia Civil, SEPRONA, um Brandstiftung (wir berichteten).
Bis zum 25. August wurden 46 mutmaßliche Brandstifter verhaftet und Ermittlungen gegen 133 weitere Personen eingeleitet. Im Laufe der letzten Woche kamen weitere hinzu.
Noch während sich die Flammen unkontrolliert durch die Landschaft fraßen, fragten sich besorgte Bürger, was nach dieser Feuerhölle mit den verbrannten Waldgebieten geschehen wird. Vor allem, weil das «Ley de Montes» (Waldgesetz) 2015 dahingehend geändert wurde, dass die autonomen Regionen und die Zentralregierung «in Ausnahmefällen eine Änderung der Waldnutzung beschließen können, wenn zwingende Gründe von übergeordnetem öffentlichem Interesse vorliegen».
In diesem Rahmen wurde darauf hingewiesen, dass es in einigen Waldbrandgebieten große Vorkommen von Seltenen Erden und anderen strategischen Mineralien gebe. Der Vorwurf lautete, die Politiker würden die Brände aus diesem Grund nicht konsequent bekämpfen und die Feuer einfach weiterlaufen lassen.
Strategische Mineralien werden für die nationale Sicherheit, die Wirtschaft und den technologischen Fortschritt als wesentlich angesehen. Diese Mineralien sind häufig kritische Komponenten in verschiedenen Branchen:
- Verteidigung: Waffensysteme, Luft- und Raumfahrt und Elektronik
- Energie: Sonnenkollektoren, Batterien und Windkraftanlagen
- Technologie: Smartphones, Computer und andere elektronische Geräte
- Herstellung: Bau, Automobilbranche (E-Autos) und andere Industriesektoren
Zur Veranschaulichung dieser «Koinzidenz» wurden zwei Karten veröffentlicht. Eine, auf der die Standorte der begehrten Mineralien zu sehen sind – und eine zweite, auf der die Waldbrände gekennzeichnet wurden.
Screenshot: Links: Vorkommen der strategischen Mineralien; rechts: Waldbrandgebiete
Wie es seit März 2020 üblich ist, wurden sofort die selbsternannten Faktenchecker aktiv, um der «Desinformation» den Garaus zu machen – und die Befürchtungen der Bürger abzuwiegeln. So schrieb das Portal Newtral:
«Das Gesetz 43/2003 vom 21. November über Wälder verbietet in Artikel 50 die Änderung der forstwirtschaftlichen Nutzung [zur Umwandlung in städtisches, landwirtschaftliches, bergbauliches Land...] für mindestens 30 Jahre nach einem Brand (…).»
Dann musste das Portal jedoch einräumen, dass diese Vorschrift bestimmte Ausnahmen von dieser Beschränkung der Änderung der forstwirtschaftlichen Nutzung eines Grundstücks nach einem Brand vorsehe. Diese seien durch eine Reform des Artikels 50 aus dem Jahr 2015 möglich.
Die Vorschrift besagt laut Newtral, dass die autonomen Regionen in Ausnahmefällen eine Änderung der Waldnutzung beschließen können, «wenn zwingende Gründe von übergeordnetem öffentlichen Interesse vorliegen». Solche Ausnahmen könnten allerdings nur vereinbart werden, «sofern die Nutzungsänderung vor dem Waldbrand in einem zuvor genehmigten oder zur Genehmigung anstehenden Planungsinstrument vorgesehen war, das bereits einer positiven Umweltprüfung oder einem öffentlichen Informationsverfahren unterzogen wurde».
Zudem wurde mitgeteilt, dass die Zentralregierung zuständig sei, sollten diese «zwingenden Gründe des öffentlichen Interesses» das «allgemeine Interesse des gesamten Staates betreffen».
Ambitiöse EU-Projekte in Waldbrandgebieten
Was soll man angesichts dieser Informationen davon halten, dass die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen bereits im März 2025 eine Liste mit 47 strategischen Projekten zur Förderung der «nationalen Kapazitäten im Bereich strategischer Rohstoffe» in 13 Mitgliedstaaten veröffentlicht hat? In Spanien wurde damit grünes Licht für sieben Projekte zur Gewinnung und Verarbeitung strategischer Mineralien gegeben.
Wie die Medien damals berichteten, befinden sich drei davon in der Extremadura. Konkret handelt es sich um das Bergbauprojekt Las Navas in Cañaveral zur Gewinnung von Lithium, das Projekt P6 Metals-La Parrilla in Almoharín zur Gewinnung und Verarbeitung von Wolfram und die Mine Aguablanca in Monesterio zur Gewinnung von Kobalt, Kupfer und Nickel.
Die vier übrigen Projekte, die in Spanien ausgewählt wurden, sind die Mine Doade in Galicien, wo Lithium gewonnen wird, sowie das Bergbauprojekt El Moto in Kastilien-La Mancha, das sich auf Wolfram konzentriert. Zwei weitere Standorte, CirCular und Cobre las Cruces, befinden sich in Andalusien. Dort sollen Kupfer, Nickel und Platinmetalle gewonnen und verarbeitet werden (hier, hier und hier).
Mit Ausnahme von Aguablanca in der Extremadura, einem Reservat zugunsten des Staates, liege die Bearbeitung der Projekte laut Angaben des Ministeriums für ökologischen Wandel in den Händen der autonomen Regionen, informierte El Mundo.
Das europäische Engagement für die Projekte sei entschlossen und ziele darauf ab, eine größere Selbstversorgung mit kritischen Rohstoffen zu erreichen, betonte El Economista. Das Gesetz über kritische Rohstoffe sehe vor, dass bis 2030 mindestens zehn Prozent dieser strategischen Materialien in der EU gewonnen, 40 Prozent intern verarbeitet und mindestens 15 Prozent recycelt werden.
Umweltschäden nicht ausgeschlossen
Das Portal Vozpópuli beschäftigte sich ausführlicher mit den ökologischen Auswirkungen, die diese von der EU als «nachhaltig» gepriesenen Projekte auf die Umwelt haben könnten. In diesem Rahmen wurde darauf hingewiesen, dass Umweltschutzgruppen sich bereits gegen die beiden andalusischen Projekte ausgesprochen hätten, «weil einige Bergbaubetriebe in der Vergangenheit eine Reihe von Unregelmäßigkeiten und Umweltschäden verursacht haben».
Der Fall Cobre Las Cruces sei aufgrund früherer Probleme im Zusammenhang mit Wasserverschmutzung und Abfallentsorgung besonders umstritten. Der Leiter der Bergbauabteilung der Umweltschutzgruppe Ecologistas en Acción Andalucía, Isidoro Albarreal, habe davor gewarnt, dass die Wiedereröffnung der Mine zu Metallablagerungen im Fluss Guadalquivir führen und die lokale Fauna beeinträchtigen könne.
Laut einer Studie von Professoren für Ökologie der Universität Sevilla würden die in der Nähe der Einleitungen von Cobre Las Cruces lebenden Albure-Fische hohe Werte an Blei, Selen, Zink, Chrom und Mangan aufweisen, wobei 31 Prozent von ihnen die von den europäischen Vorschriften für den menschlichen Verzehr zugelassenen Werte überschreiten.
Auf jeden Fall werden die von der EU finanzierten Projekte «erhebliche Vorteile genießen», wie beispielsweise den Zugang zu beschleunigten Verwaltungsverfahren, die Höchstfristen von 27 Monaten für den Abbau und 15 Monaten für alle anderen Aktivitäten vorsehen. Darüber hinaus werden sie innerhalb eines Pakets finanziert, das bis zu 27 Milliarden Euro Steuergelder mobilisieren will.
«Indem sie Europa dabei helfen, diese Ziele zu erreichen, leisten die neuen strategischen Projekte einen wichtigen Beitrag zum ökologischen und digitalen Wandel in Europa und unterstützen gleichzeitig die europäische Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie», hieß es in der EU-Mitteilung.
Auch die EU veröffentlichte im März eine Karte, auf der die Standorte in den Mitgliedstaaten verzeichnet sind, wo der Abbau der strategischen Mineralien vorangetrieben werden soll. Dabei fällt auf, dass Spanien neben Frankreich ein Hotspot ist – also von zentraler Bedeutung für die Agenda der Kommission. Die Umweltschützer werden schlechte Karten haben.
Screenshot: EU-Karte; Abbau strategischer Mineralien; finanziert durch die EU
Das Geschäft mit den Wäldern
Dass die verbrannten Wälder finanziellen Interessen geopfert werden könnten, zeigte sich auch am 26. August. Die Regierung der Autonomieregion Kastilien-León gab bekannt, dass sie die Umweltgenehmigung für den Abbau von 342.000 Tonnen Quarzit in Oencia erteilt hat, einem Gebiet, das von den Flammen heimgesucht wurde.
Dort hatten sich Anwohner trotz der Gefahr geweigert, ihr Dorf zu verlassen – aus Angst, dass jemand kommen und es anstecken könnte. Jeder wisse, dass es bei den Wäldern um ein großes Geschäft gehe, sagte einer von ihnen im Interview.
Ins Bild passt auch eine Meldung, die von der Berliner Zeitung Anfang Juli 2025 veröffentlicht wurde. Darin wurde mitgeteilt, dass der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall in die Extremadura «einmarschiert» ist.
Dort soll nun ein «Knotenpunkt der Waffenindustrie» entstehen, um von der Leyens Rüstungsziele zu erreichen. Dafür würde man ganze Landstriche opfern, hatte die Zeitung gewarnt. Zur Erinnerung: Strategische Mineralien sind unter anderem für die Verteidigung und Waffensysteme von entscheidender Bedeutung.
Oder auch für Sonnenkollektoren und Windkraftanlagen, mit denen Spanien im Rahmen des europäischen «Green Deal» und der «Agenda 2030» derzeit zugepflastert wird.
Das alles hinterlässt auf jeden Fall einen schalen Beigeschmack. Auch dass der von Korruptionsskandalen geplagte Pedro Sánchez darauf beharrt, die Feuerhölle sei dem «Klimanotstand» geschuldet – obwohl die Guardia Civil schon so viele mutmaßliche Brandstifter festgenommen hat –, gibt zu denken.
In einer Mitteilung auf X, in der über weitere Verhaftungen berichtet wurde, schrieb die Guardia Civil-Vereinigung Jucil am 29. August: «Die Guardia Civil vergisst nicht. Wir werden nicht ruhen, bis wir den letzten Schuldigen der Waldbrände gefasst haben (…). Sie brennen Spanien ab.»