Die Deutsche Welle gehört zu den vielen Medien, die Israel nicht zur Rechenschaft ziehen. Darauf macht der US-Journalist David Cronin in einem aktuellen Beitrag auf dem Onlineportal The Electronic Intifada (TEI) aufmerksam, dessen Mitherausgeber er ist.
Cronin weist auf das Beispiel des Journalisten Jack Parrock hin, der kürzlich mit anderen gegen die Tötung von Reportern und Fotografen in Gaza durch Israel protestiert hat. Seine Glaubwürdigkeit als Protestler werde dadurch beeinträchtigt, dass er für die Hersteller von Waffen wirbt, die höchstwahrscheinlich bei den von ihm beanstandeten Morden eingesetzt wurden.
Parrock ist ein Mitarbeiter des deutschen Senders Deutsche Welle und verschiedener anderer Medien. Zugleich tritt er laut Cronin als Moderator bei Firmenveranstaltungen in Brüssel wie beispielsweise bei Konferenzen auf, die von der Aerospace, Security and Defence Industries Association of Europe (ASD) veranstaltet werden. Diese Dachorganisation vertritt Giganten des Waffenhandels wie BAE Systems und Leonardo.
Beide Unternehmen hätten eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung oder Ausrüstung des US-Kampfflugzeugs F-35 gespielt, so Cronin. Der kürzlich von Francesca Albanese, der UN-Sonderberichterstatterin für das besetzte Westjordanland und den Gazastreifen, veröffentlichte Bericht «Economy of Genocide» (Wirtschaft des Völkermords) habe festgestellt, dass die F-35 und ihr Vorgängermodell, die F-16, «wesentlich dazu beigetragen haben, Israel mit einer beispiellosen Luftwaffe auszustatten», die zur Zerstörung des Gazastreifens eingesetzt wurde.
«Das Verhalten von Parrock ist unethisch. Die Regeln der Internationalen Journalisten-Föderation legen fest, dass ein Reporter ‹jede Verwechslung zwischen seiner Tätigkeit und der von Werbung oder Propaganda vermeiden muss›.»
Die Konferenzen, die Parrock moderiert, seien reine Propaganda, stellt Cronin fest. Sie würden höhere Militärausgaben als etwas Erstrebenswertes darstellen, ohne zu erwähnen, dass die Hauptnutznießer die Vorstände und die Aktionäre der Rüstungsunternehmen sein werden.
Parrock habe auf eine Bitte um Stellungnahme nicht reagiert, so der Mitherausgeber von The Electronic Intifada. Der DW-Journalist komme mit seinem unethischen Verhalten davon, weil es unangefochten bleibe.
«Journalisten im Westen neigen dazu, sich als Teil eines Clubs zu sehen. Mit wenigen Ausnahmen kritisieren sie sich nicht öffentlich gegenseitig.»
Es sei daher kein Zufall, dass die beste Beobachtung der Berichterstattung der Mainstream-Presse über Palästina nicht in der Mainstream-Presse selbst zu finden sei, sondern auf den Online-Plattformen und den unabhängigen Medien. So nutze der Historiker Assal Rad beispielsweise X ständig, um Fälle zu identifizieren, in denen Medienüberschriften die unehrlichen Ausreden Israels wiederkäuen. Rad kritisiert besonders scharf Berichte, die in die Kategorie «Israel sagt» fallen.
Feigheit macht Cronin als wichtigen Faktor dafür aus, dass viele Journalisten im Westen Israel mit Samthandschuhen anfassen. Greg Philo und Mike Berry hätten in ihrem 2011 erschienenen Buch «More Bad News from Israel» dokumentiert, wie die Angst vor feindseligen Anrufen israelischer Diplomaten dazu geführt habe, dass Redakteure und Reporter der BBC Selbstzensur betreiben.
Das Buch sei leider immer noch aktuell: So habe David Collier, ein pro-israelischer Lobbyist, der sich als erfolgreicher Journalist ausgebe, sowohl die BBC als auch die US-Zeitung New York Times dazu gebracht, Inhalte über die Massaker und die Aushungerung der Palästinenser durch Israel während des aktuellen Krieges gegen Gaza zu entfernen oder zu ändern. Selbst in Irland, einem Land, in dem die öffentliche Meinung Israel gegenüber äußerst kritisch sei und die Regierung offiziell anerkannt habe, dass die Gewalt gegen Gaza einen Völkermord darstellt, würden es Mainstream-Journalisten als Pflicht ansehen, Israel mit Samthandschuhen anzufassen.
So schließe sich RTE, der irische nationale Rundfunk, der pro-israelischen Lobby an, indem er das Gesundheitsministerium von Gaza routinemäßig als «von der Hamas geführt» bezeichne. Eine solche Darstellung vermittelt aus Sicht von Cronin den Eindruck, dass die Krankenhäuser legitime militärische Ziele sind und dass die vom Ministerium zusammengestellten Opferstatistiken zweifelhaft sind, obwohl sie eher vorsichtig sind und ihre Richtigkeit von renommierten Menschenrechtsorganisationen bestätigt worden seien.
Auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Irland und Israel seien anscheinend in den irischen Medien ein Tabuthema. So habe der bekannte Journalist Mick Clifford kürzlich in einem Kommentar für die Zeitung Irish Examiner gefordert, Rockstar Bono wegen seiner Äußerungen zu Gaza etwas Nachsicht entgegenzubringen.
Cronin schreibt dazu, er habe Clifford auf X darauf hingewiesen, dass Bono und sein U2-Bandkollege The Edge von einem Immobiliengeschäft im Wert von mehr als 45 Millionen Dollar profitiert hätten, an dem die israelische Bank Leumi beteiligt war. Diese Bank sei in einer UN-Datenbank von Unternehmen aufgeführt, die von der Kolonisierung palästinensischen Landes profitieren.
Der Deal – der den Verkauf des Dubliner Hotels The Clarence betrifft – sei im Oktober 2023 bekannt gegeben worden. Er habe als erster Journalist darauf aufmerksam gemacht, dass daran eine Bank beteiligt war, die Israels Siedlungsaktivitäten im Westjordanland finanziert, so Cronin. Seines Wissens nach hat nur eine einzige irische Publikation – The Phoenix – später in ihrer Berichterstattung über den Verkauf des Clarence erwähnt, dass die Bank Leumi eine israelische Bank ist.
Clifford, den er seit dem gemeinsamen Journalismusstudium in den 1990er Jahren kenne, habe spöttisch und abweisend auf die Hinweise geantwortet, schreibt Corin und zitiert den Kollegen:
«Aber wenn die übrigen Medien das Thema nicht aufgegriffen haben, glauben sie entweder, dass es nicht wichtig ist, oder sie sind Teil einer zionistischen oder von der Regierung inspirierten Verschwörung. Wer weiß das schon?»
In den letzten 700 Tagen wurden fast 250 Journalisten von Israel getötet, so der TEI-Mitherausgeber, der feststellt:
«Die Tapferkeit, mit der unsere palästinensischen Kollegen dafür sorgen, dass die Welt ihre Augen nicht vor den Verbrechen Israels verschließen kann, ist das genaue Gegenteil der feigen Stenografie, die im Westen allzu oft als Journalismus durchgeht.»