Lausanne, eine der ruhigeren Städte der Westschweiz, steht unter Schock. Zwei Nächte voller Gewalt, brennender Barrikaden, Molotowcocktails und massiver Ausschreitungen – ausgelöst durch den tödlichen Unfall des 17-jährigen Marvin M., der auf einem gestohlenen Roller vor der Polizei floh und dabei verunglückte. Für viele Jugendliche im Quartier Prélaz war Marvin ein Freund – sein Tod entfachte eine Welle der Wut. Doch während die Bilder von Straßenschlachten um die Welt gehen, machen linke Medien einen Schuldigen aus: die Polizei.
Was war geschehen? Marvin M. trug offenbar einen Helm, als er starb und war nicht als Migrant zu erkennen – der Unfall war tragisch, aber er kann nicht ohne weiteres der Polizei in die Schuhe geschoben werden. Dennoch konstruierten zahlreiche Schweizer Medien «politisch korrekt» einen Zusammenhang mit angeblichem Polizeirassismus. Die Eskalation bekam zusätzliche Nahrung durch die Veröffentlichung älterer Polizeiskandale – darunter ein Fall von 2021, bei dem ein psychisch angeschlagener Mann durch Polizeischüsse ums Leben kam, sowie ein weiterer Todesfall bei einer Festnahme im Jahr 2018. Brisant: Interne Chatnachrichten mit rassistischen und sexistischen Inhalten wurden publik, was nun als Beleg für «systemischen Rassismus» herhalten soll.
AUF1-Schweiz-Korrespondent Stefan Thöny warnt jedoch vor vorschnellen Urteilen. In seiner Analyse weist er darauf hin, dass zentrale Fakten ignoriert oder bewusst verzerrt werden. Die zentrale Frage: Warum werden Jugendliche, die gestohlene Fahrzeuge fahren und sich Polizeikontrollen entziehen, plötzlich als Opfer eines Systems dargestellt?
Die Krawalle, so Thöny, sind nicht Ausdruck legitimen Protests, sondern das Resultat eines importierten Opfer-Narrativs, angeheizt von fragwürdigen Influencern und einer Medienlandschaft, die lieber Empörung verkauft als Aufklärung betreibt. Parallelen zu französischen Banlieue-Zuständen werden gezogen – zu Unrecht, wie selbst SRF-Reporter Roman Fillinger einräumt.
Die Faktenlage zeigt ein differenzierteres Bild, als viele Medien glauben machen wollen. Die Polizei agierte im Rahmen ihrer Möglichkeiten – in einem sozialen Umfeld, das zunehmend außer Kontrolle gerät. Die wahren Brandstifter, so Thöny, sitzen nicht nur auf der Straße – sondern auch in den Redaktionen.
Der pensionierte Journalist Peter Rothenbühler, der in seinem Berufsleben Redaktionen sowohl in der Deutsch- wie in der Westschweiz leitete, warnte in der NZZ davor, Lausanne mit den bürgerkriegsähnlichen Zuständen französischer Städte wie Paris oder Marseille zu vergleichen. Vielmehr hätten unglückliches Timing – etwa eine Polizeipressekonferenz zu internen Rassismusvorwürfen – und externe linksextreme Gruppierungen zur Eskalation beigetragen. Die Polizei habe beim Vorfall deutlichen Abstand gehalten, und die Verantwortung für den Unfalltod des Jugendlichen sei umstritten. Trotz mancher Unruhe bleibe das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Polizei in der Westschweiz insgesamt intakt.